Nationale Versorgungsleitlinie Asthma: Das ändert sich für Physiotherapeuten

Im September 2018 wurde die aktualisierte Ausgabe der Nationalen Versorgungsleitlinie Asthma herausgegeben und rückt Physiotherapeuten damit stärker in den Vordergrund.

Mit der Nationalen Versorgungsleitlinie erhalten Ärzte, Therapeuten sowie Patienten einen Empfehlungskatalog an die Hand, der bewährte Behandlungsmethoden für Asthmatiker zusammenfasst. Im September ist die dritte, aktualisierte Fassung erschienen. Bei der Aktualisierung der Leitlinie sind diverse Studien analysiert worden. Fazit: Die Medikamentendosis steht im engen Verhältnis zu dem Patientenverhalten. Daraus leitet sich die Kernaussage der aktuellen Versorgungsleitlinie ab, dass eine gute Aufklärung der Patienten dabei hilft, die Einnahme von Asthmamedikamenten nachhaltig zu reduzieren.

Was ist neu?

Die Schweregradeinteilung, die bisher für die Klassifizierung und Behandlung von Asthma-Patienten diente, wurde abgeschafft. Zudem werden in Anlehnung an die neue Versorgungsleitlinie hoch dosierte inhalative Corticosteroide bei Kindern nun später empfohlen, um Nebenwirkungen vorzubeugen. Darüber hinaus setzt die aktualisierte Leitlinie stärker auf das Thema Schulung. Insbesondere bei Langzeittherapien von Asthma-Patienten bieten Physiotherapeuten durch verschiedene Maßnahmen, wie der Atemphysiotherapie, eine Alternative zur medikamentösen Behandlung. Durch eine erhöhte Kontaktzeit können Physiotherapeuten ihre Patienten nun intensiver aufklären und beraten.

Physiotherapeuten sind wichtige Ansprechpartner für Asthma-Patienten

Asthmatiker profitieren nicht ausschließlich von einer medikamentösen Behandlung. Bei Patienten, insbesondere in jungen Jahren, können mit physiotherapeutischen Behandlungsansätzen gute Erfolge erzielt werden. Physiotherapeuten sind Ansprechpartner im Bereich Prävention und damit in der Lage, Asthmatiker optimal zu beraten. Eine wesentliche Rolle nimmt das Erlernen von Atemtechniken zur Verbesserung der Lungenfunktion ein. Auch körperliches Training, das Verhalten in Situationen mit akuter Luftnot und Maßnahmen zur Absenkung der Schleimproduktion können mithilfe von Physiotherapeuten individuell angepasst werden. Ziel ist es, ein maßgeschneidertes Trainingsprogramm zu entwickeln, das die Ausdauer sowie die Lebensqualität steigert und ganz nebenbei auch noch Spaß macht.

Atemphysiotherapie: Für wen wird sie empfohlen?

Die Leitliniengruppe richtet sich bei der Auswahl der Patienten, die von einer Atemphysiotherapie profitieren könnten, nach ihrer klinischen Einschätzung. Demnach können möglicherweise Asthma-Patienten, die gleichzeitig über eine dysfunktionale Atmung verfügen, das Potenzial von physiotherapeutischen Maßnahmen besonders ausschöpfen. Darunter fallen Patienten mit Abweichungen im physiologischen Atemmuster, woraus sich rekurrierend oder chronisch auftretendende respiratorische und nicht respiratorische Begleiterscheinungen ergeben können. Gerade diese Patientengruppe verfügt über ein erhöhtes Morbiditätsrisiko, weshalb ein gezielter Ansatz wichtig ist.

Zudem könnten folgende Patientengruppen von einer Atemphysiotherapie profitieren:

  • Patienten mit ausgeprägten Angstgefühlen während einer Atemnot.
  • Patienten, die Belastungssituationen vermeiden, da sie befürchten, Atemnot zu provozieren.
  • Patienten, bei denen vermehrt Sekretretention nachgewiesen werden kann und die aus Gewohnheit überwiegend durch den Mund atmen.

Unter folgendem Link kann die aktuelle Versorgungsleitlinie zum Thema Asthma nachgelesen werden: https://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/asthma/asthma-3aufl-vers1-lang.pdf

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