Direktzugang zum Physiotherapeuten - Modellvorhaben liefert gute Argumente

Erst zum Arzt, dann zum Physiotherapeuten - das entspricht dem normalen Patientenweg, wenn physiotherapeutische Leistungen in Anspruch genommen werden müssen. Ein Modellvorhaben zeigt nun, dass Patienten von einem Direktzugang zum Physiotherapeuten profitieren. So reduzierte sich die Behandlungsdauer während der Studie. Auch die Patientenbeschwerden besserten sich deutlich schneller, als bei dem vom Arzt abgesegneten Prozedere. Mehrkosten für die Krankenkassen entstanden dadurch nicht. Ein „Anheizer“ für Experten, denen die Umwege schon lange ein Dorn im Auge sind.

Das Modellvorhaben für mehr Autonomie in der Physiotherapie

Bereits im Juni 2011 startete das Modellvorhaben unter dem Motto: „Mehr Autonomie in der Physiotherapie“, woran sich insgesamt 40 Modellpraxen beteiligten. Initiiert wurde das Projekt von dem Bundesverband selbständiger Physiotherapeuten (IFK) und der Krankenkasse BIG direkt gesund. An der Auswertung der Ergebnisse war die Züricher Hochschule für Ange­wandte Wissenschaften (ZHAW) beteiligt. Sie wertete 630 Datensätze von Versicherten der BIG direkt gesund aus und konnte auf Daten von insgesamt 296 Patienten in der Kontroll- und 334 Patienten in der Modellgruppe zurückgreifen.

Die Ergebnisse sprechen für sich

Im Rahmen der Studie wurden zwei Gruppen gebildet. In der Kontrollgruppe wurde die physiotherapeutische Versorgung nach einer Verordnung des Vertragsarztes durchgeführt. Bei der Modellgruppe hingegen enthielt der entsprechende Physiotherapeut eine unkenntlich gemachte Verordnung. Daraufhin musste der Physiotherapeut selbst über die Wahl des Heilmittels, die Gesamtdauer der Therapie und die Abstände zwischen den Behandlungseinheiten entscheiden. Die Ergebnisse zeigen, dass die behandelten Patienten sowohl in der Kontrollgruppe als auch in der Modellgruppe mit der Versorgung zufrieden waren. Demnach sei es nicht wichtig, wer die entsprechende Verordnung abgesegnet. Neben der Patientenzufriedenheit zeigten sich aber noch weitere positive Effekte. Im Durchschnitt stellte sich die Behandlungsdauer in der Modellgruppe zwei Wochen kürzer dar, als im Vergleich zu der Kontrollgruppe. Zudem wurden weniger Behandlungseinheiten durchgeführt. Die selbstständig agierenden Physiotherapeuten gingen verantwortungsvoll mit ihrer neuen Aufgabe um. Zusätzliche Kosten für die Krankenkassen konnten nicht festgestellt werden. Interessant ist auch, dass bei der Modellgruppe die Physiotherapeuten insbesondere auf die Kombination aus aktiven und passiven Heilmitteln gesetzt haben.

Die Forderung ist klar

Sowohl der Bundesverband selbständiger Physiotherapeuten als auch die BIG direkt gesund wünschen sich vom Gesetzgeber den Direktzugang in der Phytotherapie, in Anlehnung an das Sozialgesetzbuch V.

 „Die Ergebnisse sprechen eine eindeutige Sprache: Wenn Patienten direkt vom Physio­therapeuten behandelt werden, geschieht dies genauso wirksam wie nach einer ärztlichen Verordnung und in kürzerer Zeit“, erläuterte die IFV-Vorstandsvorsitzende Ute Repschläger.

Vor allem aufgrund des zunehmenden Versorgungsbedarfs und dem gegenüberstehenden Fachkräftemangel müssten die Versorgungsstrukturen neu geordnet werden. Nur auf diesem Weg könnte es gelingen, die Ressourcen optimal einzusetzen. 

 „Der ausschließliche Weg über den Arzt ist da nicht mehr zeitgemäß. Wir benötigen den Direktzugang in der Physiotherapie“, so Ute Repschläger weiter.

Der Vorstandsvorsitzende der BIG direkt gesund, Peter Kaetsch, äußerte sich zu dem Modellvorhaben mit den Worten: „Unser Ziel ist es, auch für Deutschland nachhaltige und zukunftsfähige Versorgungsstrukturen zu erreichen. Mit dem Modellvorhaben sind wir diesem Ziel einen großen Schritt näher gekommen“.

Die Ärztevertreter sind skeptisch

Aber es gibt auch Kritiker. Die Ärztevertreter sehen nach wie vor in dem Direktzugang keine geeignete Lösung. Darüber hinaus lehnen sie Blankoverordnungen ab. Vielmehr sprechen sie sich dafür aus, dass sowohl die Diagnose- als auch die Indikationsstellung Aufgaben des Vertragsarztes sind. Schließlich würden auch die Patientensicherheit und unklare Haftungsfragen sowie Budgetverhältnisse damit in den Mittelpunkt rücken.

Weitere Informationen zu dem Modellvorhaben und den Ergebnissen können unter folgendem Link eingesehen werden:

https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/pdf/10.1055/a-0602-0947.pdf

 

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