Ihr Patient erledigt seine „Hausaufgaben“ nicht?

Für Physiotherapeuten kann es zu einem kräftezehrenden Prozess werden, den Patienten wiederholt an die Übungen für zu Hause zu erinnern. Fest steht: Die Compliance der Patienten beeinflusst ganz maßgeblich den Therapieerfolg. Was aber tun, wenn Patienten sich hartnäckig gegen die Heimarbeit wehren oder die Übungen immer wieder schleifen lassen? Dann heißt der Schlüssel: „Kommunikation auf Augenhöhe“.

Weniger Befehlshaber, mehr Partner

Patienten sind unterschiedlich gestrickt, das gilt auch für ihr Kommunikationswesen. Die meisten von ihnen reagieren aber am besten auf ein partnerschaftliches Verhältnis zu ihrem Physiotherapeuten. Wenn Patienten ihre Übungen zu Hause nicht konsequent durchführen, kann das nicht immer einer fehlenden Motivation zugeschrieben werden. Nicht selten gibt es äußere und innere Einflüsse, die der Erfüllung der Aufgaben im Weg stehen. Physiotherapeuten können sich jedoch nur auf das verlassen, was ihnen die Patienten erzählen. Mit einer geschickten Gesprächsführung können Therapeuten hinter die Fassade blicken und den Eigenanteil der Patienten maßgeblich fördern.

4 Tipps für einen offenen Austausch

  1. Stellen Sie die richtigen Fragen: Wir neigen dazu, Fragen zu stellen, die ausschließlich mit Ja oder Nein beantwortet werden können. Dabei sind offene Fragen viel effektiver, denn damit gibt der Patient deutlich mehr Informationen preis. So gelingt es, die Welt aus Sicht der Patienten zu sehen.
  1. Hören Sie zu, aber richtig: Psychotherapeuten bekräftigen den Stellenwert vom aktiven Zuhören. Dabei wiederholen Sie den Gesprächsinhalt Ihres Patienten. Dadurch fühlt sich dieser wertgeschätzt und kann womöglich falsch aufgenommene Informationen korrigieren.
  1. Liefern Sie sich keinen Schlagabtausch: Erkennen Sie die Haltung Ihres Patienten an. Selbst dann, wenn es bedeutet, einen Widerstand zu erfahren. Argumentationen oder heftige Wortwechsel sollten Sie vermeiden.
  1. Stärken Sie die Zuversicht: Mittels „Confidence Talk“ rufen Sie die Teilerfolge Ihrem Patienten regelmäßig in Erinnerung. Somit wird die gesunde Ressourceneinschätzung gefördert und die Motivation gesteigert.

 

Gemeinsam die richtige Strategie finden

Nicht selten verbringen Physiotherapeuten viel Zeit damit Patienten zu motivieren, indem sie ihnen beispielsweise Trainingspläne entwerfen. Trotzdem können Trainingsziele nicht immer erreicht werden. Das liegt nicht selten daran, dass die Therapieziele nicht an die individuelle Motivation des Patienten angepasst werden. Dabei ist es wichtig, dass Sie Ihrem Patienten einen gewissen Spielraum bei der Festsetzung der Therapieziele lassen. Jeder Mensch besitzt von Natur aus eine Motivation zur Veränderung. Ihre Aufgabe ist es, diese Motivation gemeinsam mit Ihrem Patienten zu finden. Dabei hilft Ihnen die motivierende Gesprächsführung. Achten Sie auf die Signale Ihres Patienten. Neigt er dazu, das eigene Verhalten ständig zu rechtfertigen? Dann sollten Sie in Betracht ziehen, dass es sich dabei um eine Abwehrreaktion handelt. Je mehr Sie nun argumentieren, desto mehr wird sich das destruktive Verhalten Ihres Patienten womöglich festigen. Werden Sie daher immer hellhörig, wenn Ihr Patient häufig „Ja aber“ Sätze verwendet.

 

 Mit folgenden Tipps können Sie zu Ihrem Patienten durchdringen:

  • Agieren Sie auf gleicher Ebene mit Ihrem Patienten, denn sie sind gleichberechtigte Partner.
  • Akzeptieren Sie Entscheidungen Ihres Patienten, ohne mit ihm darüber zu diskutieren.
  • Wertschätzen Sie die Erfolge während der Therapie.
  • Versuchen Sie die Gefühlslage Ihres Patienten zu erspüren und die Kommunikation daran anzupassen.
  • Nicht jeder Behandlungstag verläuft erfolgreich. Absenkungen in der Leistungskurve sollten ohne Wertung erkannt werden.

Wichtig ist, dass Sie Ihrem Patienten Empathie entgegenbringen und einen gewissen Freiraum lassen, um gemeinsam Trainingsziele zu erreichen. Ein offener Austausch und Verständnis für die individuelle Situation können das Therapeuten- Patienten- Verhältnis bereichern und die Motivation nachhaltig steigern.

 

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